Winterreifen aufziehen
wann Pflicht, was das Alpine-Symbol bedeutet
„Von O bis O“ kennt fast jeder – rechtlich bindend ist die Faustregel aber nicht. Wir zeigen, was tatsächlich in der StVO steht, warum M+S allein heute nicht mehr reicht und worauf es beim Reifenwechsel ankommt.
Was Winterreifen besonders macht
Winterreifen unterscheiden sich in zwei zentralen Punkten von Sommerreifen. Die Gummimischung ist weicher und bleibt auch bei tiefen Minusgraden elastisch – Sommerreifen werden bei Kälte hart und verlieren dadurch spürbar an Grip, selbst wenn gar kein Schnee liegt.
Zusätzlich ist das Profil für Schnee und Matsch optimiert: Es verdrängt die Nässe effektiver, sodass dein Auto nicht so leicht ins Aufschwimmen (Aquaplaning-Effekt) gerät wie mit einem Sommerprofil.
Wann du wechseln musst
In Deutschland gibt es keine festen Kalenderdaten für Winterreifen. Die StVO (§ 2 Abs. 3a) schreibt stattdessen vor: Bei Glatteis, Schneeglätte, Reifglätte, Schneematsch oder Eisglätte musst du mit geeigneten Reifen unterwegs sein – unabhängig vom Datum. Die Faustregel „von O bis O“ (Oktober bis Ostern) ist deshalb nur eine grobe Orientierung, keine rechtliche Vorgabe.
In der Praxis bedeutet das: Ein früher Wintereinbruch im November verlangt frühzeitig Winterreifen, ein milder Dezember erlaubt theoretisch länger Sommerreifen. Weil sich das Wetter selten exakt vorhersagen lässt, ist es trotzdem sinnvoll, rechtzeitig vor dem ersten Frost zu wechseln, statt auf den ersten Schnee zu warten.
Alpine-Symbol statt nur M+S
Lange galt die Kennzeichnung „M+S“ (Matsch und Schnee) als ausreichender Nachweis für Wintereignung. Das Problem: M+S ist eine unverbindliche Herstellerangabe ohne echte Prüfung – manche Reifen tragen sie, ohne tatsächlich für winterliche Bedingungen geeignet zu sein.
| Kennzeichnung | Bedeutung | Rechtlich ausreichend? |
|---|---|---|
| Alpine-Symbol (3PMSF) | Schneeflocke vor Berg mit drei Gipfeln – geprüfte Wintereignung | Ja |
| Nur „M+S“ | Unverbindliche Herstellerangabe, keine echte Prüfung | Nein (Übergangsfrist abgelaufen) |
Für reine M+S-Reifen, die zwischen 2018 und 2024 produziert wurden, galt eine Übergangsfrist – diese ist inzwischen ausgelaufen. Seither zählt für rechtssichere Winterbereifung nur noch das Alpine-Symbol. Ein Blick auf die Reifenflanke schafft schnell Klarheit, welche Kennzeichnung deine aktuellen Reifen tragen.
Selbst wechseln oder Werkstatt?
-
Werkstatt oder Reifenspezialist
Beide arbeiten meist mit Hebebühne und Druckluftschrauber, der Wechsel ist entsprechend schnell erledigt. Viele bieten zusätzlich die Einlagerung der jeweils nicht genutzten Reifen an, oft gegen Gebühr.
-
Selbst wechseln
Du brauchst einen Wagenheber, einen Drehmomentschlüssel oder Radmutternschlüssel und idealerweise ein Kniepolster. Zusätzlich ausreichend Platz rund ums Auto – Garage, Carport oder ein ruhiger Parkplatz mit freien Nachbarstellplätzen eignen sich gut.
FAQ: Winterreifen
Ab wann brauche ich in Deutschland Winterreifen?
Was bedeutet das Alpine-Symbol und warum reicht M+S nicht mehr?
Wie tief muss das Profil meiner Winterreifen mindestens sein?
Was kostet es, ohne Winterreifen bei Glätte erwischt zu werden?
Kann ich Ganzjahresreifen statt Winterreifen nutzen?
Was brauche ich, um Reifen selbst zu wechseln?
Winterreifen aufziehen: unsere Empfehlung
Verlass dich nicht allein auf den Kalender – die situative Reifenpflicht gilt, sobald winterliche Bedingungen herrschen, egal ob im Oktober oder im April. Wechsle rechtzeitig vor dem ersten Frost, statt auf den ersten Schnee zu warten.
Prüfe außerdem, ob deine Reifen das Alpine-Symbol tragen – reines M+S reicht seit Ablauf der Übergangsfrist nicht mehr aus.